Kin Men - ein wohl einzigartiger Platz

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Dieses Wochenende war ich auf Kin Men. Ein Ausflug in ein Gebiet auf dieser Welt, das geprägt ist von einer seit dem Zerfall des Ostblocks vom aussterben bedrohten Gegebenheit, der Konfrontation. Da ist diese Insel, weniger als 3 Kilometer von der Küste der Volksrepublik China entfernt, und kontrolliert von der Republik of China. Als Zankapfel seit 1949 war die Insel Jahrzehnte lang geprägt durch Isolation und Aggressionen. Die Versuche, die Insel zu "befreien", so nannten es die einen, ein hinterlistiger Angriff von Verbrechern nannten es die anderen, machte sie zu militärischem Sperrgebiet der ganz besonderen Art. Unterbunkert soll sie sein, vollständig. Wasser und Essensvorräte und sämtliche anderen Sachen sollen gebunkert sein für eine autarke Versorgung von mehr als 1 Jahr. Und das was ich gesehen habe, lässt vermuten, daß diese Fakten weit untertrieben sind. Der Flughafen ist neu, 2 Jahre alt, undkinmen_b.jpg (13555 Byte) macht den Eindruck eines ganz normalen kleinen Dorfflughafen wie Münster-Osnabrück vor 10 Jahren. Doch wenn man genauer hinguckt (diese Redewendung werde ich wahrscheinlich noch öfter brauchen) staunt man nicht schlecht, denn etwas stört dieses friedliche Aussehen: Rund um die Landebahn, auf den Spitzen der umgebenden Hügel, sind kleine, abgetarnte Unterstände um im Hangar steht nicht die kleine Cessna des lokalen Postflieger sondern eine Flak auf Schienen. Was hatte ich denn erwartet ? Doch eigentlich genau das... aber wenn man diese Kleinigkeiten sieht ist man doch... erstaunt! Die Fahrt zum Hotel bringt nicht fiel neues, außer daß an jeder größeren Kreuzung die Bushaltestellen mit Tarnfarbe gestrichen ist, und das hi und da ein heruntergekommenes Stück Beton aus der Erde guckt. Dann gucke ich genauer hin: Die Bushaltestellen ist gar keine Bushaltestellen, und der Beton nicht nur Beton sondern beides ganz beachtliche Teile eines Bunkers, die jede Kreuzung zu einer fast uneinnehmbaren Festung machen. Und das ganze wirklich an jeder Kreuzung, und auch hin und wieder an einer langen Straße. Verwunderlich sind auch die ganzen ca. 3-4 m hohen Betonpfeiler auf den Äckern und Wiesen. Was die Bauern wohl damit anfangen ? Die stören doch beim Mähen und Pflügen... und was dieser Dreizack oben drauf soll... komisch. Das sind ja mind. 20 auf dem Acker, komisch wachsen die hier. Hey, und auf der nächsten Wiese sind das ja noch mehr... das sind ja Hunderte... Ich bin mir sicher, das die Army mit Hilfe dieser Installation innerhalb von Stunden mehrere hunderttausend qm abtarnen kann! Netz drüber, abspannen das war's, und von oben kann keiner mehr irgend etwas erkennen! Autofahrten auf Kin-Men sind etwas spannendes. Manchmal steht dann nämlich am Straßenrand ein Grüner Mann, in Oliv mit Gewehr und Helm und weist einen freundlich darauf hin, dass diese Straße nicht für den öffentlich Verkehr zugänglich ist. Dann denkt man: "Warum, hier ist doch nichts?" und guckt um sich. Plötzlich sieht man den schwarz lackierten Stacheldraht, die Stolperdrähte, und im Hintergrund den in den Berg gehauenen Bunker oder einfach nur einen Parkplatz voll mit grünen Autos vor einem kleinen Betonkasten mit einer Tür drin, der schon von Außen wie das obere Ende eines Treppenhauses aussieht... Und diese Unmenge von Soldaten, die man sieht... irgendwo müssen die ja auch wohnen... Kasernen sieht man nicht, also hat man wahrscheinlich gleich ernst gemacht und alle Unterkünfte mit unter die Erde gepackt. Kin-Men, für die einen der Vorposten der freien und zivilisierten Welt, für die anderen die Festung von Verrätern und Verbrechern.

created on ... 19.07.1999
updated on ... 21.10.2002
Chris©